Prolog
I would prefer not to.
Bartleby

Prolog


hochverehrte gäste!

atomkrise, bankenkrise, krisenkrise, riesenkrise. eurokrise, miesenkrise, kriegskrise, terrorkrise. bildungskrise, rentenkrise, demographiekrise und demokratiekrise und dann der reformstau und die klimakrise. warum immer so gehetzt mit dem laptop auf den knien. Sie sehen komisch aus, die sehen komisch aus, wir sehen komisch aus, irgendwie so geleckt, so alle miteinander, so perfekt, dabei muss es schnell gehen.

ist man um das Jahr 1980 geboren, dann mitten hinein in die ewige krise. nato-doppelbeschluss, arbeitslosigkeit, wende misslungen, wirtschaft auf dem absteigenden ast, benzin teuer, renten nicht sicher, ausbildung nervig, generation praktikum und immer steht ein 68er im weg rum mit tollen ratschlägen und dem neuen projekt – auch für junge leute, aber die rebellieren ja nicht mal richtig, die luschen plus 10 jahre rumballern in afghanistan, sorry, es ist halt krise.

die jugend hat es einfach nicht mehr drauf, sagen sie, die kommen nicht aus dem quark. warum sehen die alle so gequält aus, mit traurigen augen und hektischen gesten. das muss doch wohin mit denen, die müssen doch wohin. wieso sind die eigentlich so verklemmt, nicht mal richtig bumsen können sie noch, die irgendwie jungen. die müssen ran an die arbeit, irgendwo reinkommen, wer zahlt sonst die renten, und der chinese wartet mit dem messer zwischen den dumpingzähnen. wir haben ja auch gearbeitet, also zumindest irgendwer, also vor allem nach dem krieg. dann wars ein paar jahrzehnte schick, so mit wohlstand und vollbeschäftigung und gewerkschaft, sozialversicherung, krankenkassen, arbeitszeitverkürzung, aber vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, ihr habt ja nichts gelernt in der schule, arbeit ist scheiße, sei einfach du selbst.

sorry, es ist krise. da ist der junge aus der grundschule, dessen name sie gar nicht mehr erinnert hätten, aber jetzt erinnern sie ihn, denn er steht da in der zeitung mit dem bild, ja das ist er. der wurde gerade in afghanistan gesprengt. der junge, nicht der name. der junge ist ja jetzt auch schon ein mann. also er war. ist ja jetzt gesprengt.

und sie so keinen euro in der tasche, überstunden, und er so ich liebe meine arbeit, das ist das lebenselixier, arbeit muss spaß machen, immerzu spaß machen, denn wir arbeiten, um zu leben, leben, sei bitte glücklich ham sie dir gesagt. und sie so wer bist du eigentlich, keine zeit. und er so eine unzeit, alle meckern, es ist schwierig, mädel, es kommen harte zeiten, und sie so junge, denk an die gelbe gefahr, aber nimm dir endlich mal ne auszeit, sag mir mal die uhrzeit.

mach doch mal was jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, verdammt nochmal, da geht noch was, da muss mehr kommen, das muss mehr sein, das muss vorwärts gehen, das muss super demokratisch sein, das muss jetzt losgehen, und dann die gleichberechtigung, und dann der klimawandel und die wandelkrise und die demoschnalle und die wandelhalle, da kommt die nordsee, da kannst du gucken, die steht fast vor der tür und denk an die nachfahren und die nachbarn und vor allem an deine eltern und schreib mal ne karte und hast du auch geld, bitte, ja geld, echtes deutsches wertiges geld, ja bitte, mach mal los jetzt, komm mal groß raus jetzt und setz den blinker, wenn du rechts abbiegst, aber bleib bitte links sitzen, da wo das herz schlägt sei du selbst, halt dich fest fest am steuer, ja, ganz authentisch und bitte nicht aggressiv werden, nicht aggressiv werden, sonst sonst sonst kommen wir dir helfen mit nöligem tonfall und therapiertem gemüt kommen wir dir helfen helfen helfen und an die kinder denken, ja, kinder, und dann auch die oma, du liebst die oma doch, das haustier auch und uns, und alle, ja, und nicht schreien, verflucht nochmal nicht schreien jetzt.

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