Haus Bartleby

Einen Knix nach der Verneigung.


Wir begrüßen Sie alle recht schön und winken Ihnen virtuell zu. Nun, unser Angebot richtet sich an Menschen, die sich fragen, für wen sie arbeiten, warum sie arbeiten und wie dieses System »Arbeit« funktioniert.

Wem dienen wir, wenn wir eine Karriere machen? Und warum müssen wir uns bewerben, wenn wir nicht »in Arbeit« sind?

Klar ist: Die berufliche Karriere ist derzeit der größte Faktor dafür, wie wertvoll ein Mensch auf dem Markt ist. Die Verteilung von Nahrung, Wohnung, Produkten, Macht und Anerkennung richtet sich dabei nach der beruflichen Stellung innerhalb der Gesellschaft auf unserem schönen Planeten.

Wer nicht »in Arbeit« ist, der habe versagt - oder reich geerbt. Wer »in Arbeit« ist, der habe »hart dafür gearbeitet« oder »Glück gehabt«. Wo man auch hinblickt, ploppen Fragezeichen auf: Warum spricht alle Welt von »Demokratie«, »Wahlen« & »Freiheit«, wenn sie in der Wirtschaft keine Rolle spielen? Oder haben Sie Ihren Chef oder Eigentümer gewählt? An wen bezahlen Sie so fleißig Ihre Miete?

Wem gehört die Welt?

Wir können nicht alles erklären, aber wir möchten dem Phänomen »Arbeit« auf die Spur kommen. Und wir wollen entlang dieser Spur aus diesem hässlichen Labyrinth von unsinnigen Abhängigkeiten herausfinden. Wir meinen: Eine Zeitenwende steht ins Haus. Es könnte besser werden, wenn wir denn etwas dafür tun.

Es gibt viele andere sehr weit entwickelte Ansätze, die sich mit Ökonomie beschäftigen. Wir wollen hier Schritt für Schritt einen eigenen entwickeln abseits ausgetreter Pfade & Sackgassen. Das tun wir mit unseren jeweils eigenen Mitteln.

Und am Ende steht ein Haus.

Ein gewisser Mister Bartleby ist dabei unser Namenspatron. Bartleby entspringt Herman Melvilles berühmter Novelle gleichen Namens. Es ist ein Mensch, der allmählich einfach nicht mehr mitmacht. Der höflichste & geheimnisvollste Aussteiger aller Zeiten. Sein Credo »I would prefer not to« ist als die freundliche Absage an den Dienstherren weltberühmt geworden. Was hätte er erschaffen, wenn er sich mit anderen verbunden hätte?

Wir möchten Ihnen das »Haus Bartleby« zugänglich machen, mit Ihnen diskutieren & uns mit Ihnen verbinden. Sofern Sie es möchten. Bitte:

Sie sind willkommen!

Ein Hermelin

Stacks Image 1101
Das springende Hermelin
Unavailable
2013:11:26 22:35:17


Das Hermelin, ein putziges Nagetier, ein Raubtier auf samtig weißen Pfoten, das ganze Hasen erlegt mit seinen scharfen Zähnen. Selbst war es immer ebenso Opfer der jagenden Begierde. Denn Könige, Päpste und sonstwie besser Gestellte, hingen sich das weiße Fell der Tierchen gerne um die Leiber. Besonders die schwarzen Schwanzspitzen demonstrierten Macht und Würde - oder so.

Mehr lesen...


Die Legende: Ein Hermelin wollte lieber sterben als sein weißes Fell im Schlamm schmutzig zu machen. So kam der neapolitanische Hermelinorden zu seinem Wahlspruch »malo mori quem foedari«, »lieber sterben als besudelt werden«.

Mit Orden hat das Haus Bartleby nix am Hut, den verleihen wir uns einfach selbst. Dieses quicklebendige Hermelin auf dem Sprung ist ein Zeichen dafür.

So galt allein sein Fell im mittelalterlichen Europa als Symbol von Reinheit und Unschuld, ein Mantel als das Vorrecht adliger Familien.

Zuletzt erbaute der sogenannte »Märchenkönig« Ludwig II. in einem solchen Mantel sogar die große Seltsamkeit »Schloss Neuschwanstein« und hing dann ins Wasser.

Nehmen Sie das Wappentier also bitte nicht persönlich. Ein passabler Gag ist immer noch besser als tiefschürfende Tragik.

Das selbst ernannte Haus Bartleby verleiht sich die Insignien der Macht in Zeiten, in denen von Feudalherren keine Rede mehr sein will.

Nicht wahr?

Eine Hintertür

Stacks Image 1109
Hinterzimmer
Unavailable
Unavailable
Wer nicht nur geil konsumieren will im Haus Bartelby. Sondern sich einbringen, erzählen, machen, das Florett erheben oder einfach nur mehr denn immer weniger zu ertragen will, der kann sich einen Schlüssel zum Hinterzimmer machen lassen und Teil der freien Verbindung hier im Netz werden.
Stacks Image 1698

Ein Bartleby

Stacks Image 1166
Bartleby, der Schreiber
Unavailable
2014:09:02 15:59:57
»Ich möchte lieber nicht« ist der berühmteste Satz des Bartleby, einer Figur aus der Erzählung »Bartleby, der Schreiber«. Veröffentlicht hat sie der amerikanische Erzähler Herman Melville im Jahr 1853.

Mehr lesen...
Bartleby ist Kopist in einer Anwaltskanzlei. Das heißt, er ist jeden Tag damit beschäftigt, unsinnige Rechtsakte abzuschreiben und Aktien anzulegen. Ein Ausdruck des Systems Arbeit, dass sich immer nur noch mehr Arbeit mit sich selbst erschafft. Eine Bürokratie-Performance in endloser, entfremdeter Wiederholung. Arbeit um der Arbeit willen. Schreiben, der Buchstaben halber, ohne Sinn und Verstand.

Melvilles Bartleby verwandelt sich im Verlauf der Geschichte zu einem Heiligen wider die Arbeit, einem Pazifisten, der nicht mehr bereit ist, sich den Gepflogenheiten des Systems Arbeit unterzuordnen. Stattdessen beginnt er einfach das zu tun, was ihm wichtig ist und was er kann: Nämlich gar nichts. Selbst ein Geschöpf des industriellen Zeitalters, hört er einfach auf, das Rad des Wahnsinns weiter zu drehen. Immer, wenn jemand etwas von ihm will, sagt er sein weltberühmtes »I would prefer not to«, »ich möchte lieber nicht«, oder genauer und erhabener: »Ich würde vorziehen, es nicht zu tun.«

Interessant an Bartleby ist, dass er nicht protestiert. Er lässt sich nicht zu symbolischem Widerstand hinreißen, er geht nicht auf Demos und probt nicht den Aufstand. Er macht erst nur noch die Arbeiten, die er gerechtfertigt findet (diese aber gut). Als er auch damit nichts erreicht, geht er allmählich dazu über, immer weniger zu tun, nimmt keine Anweisungen mehr entgegen – und stellt schließlich die Arbeit ganz ein.

Die Geschichte Melvilles wirkt fast unwirklich auf uns, obwohl sie sehr verständlich und realistisch erzählt ist – dabei schon über 150 Jahre alt. Der Text vermittelt keine Lösung, sondern konfrontiert uns mit einem, der – mit Verlaub – stilvoll abkackt. Bartleby ist kein reicher Oblomow, und lässt sich trotzdem nieder. Er macht einfach – rein gar nichts.

Wer diese Geschichte gelesen hat, wird danach (noch) nicht glücklicher sein. Aber er wird besser verstehen, was am System Arbeit, wie wir sie kennen, auf Dauer unerträglich ist. Bartleby ist eine Figur, die man in den Arm nehmen möchte, eine personifizierte Katharsis, eine Reinigung durchs Miterleben. Das Einzige, was dieser wunderbare Mensch will, ist nicht weiter mitzumachen bei den Dingen, die sinnlos sind.

Eines immerhin hat er geschafft, dieser Wahnsinnige. Bartleby erfüllt eine unsterbliche Funktion in der Literatur.

Bartleby lebt!

Mehr zum Buch lesen Sie in der Bibliothek