<p style="line-height: 150%">Großkupferte, Kleinmütige, Freunde und Mitstreiterinnen!</p> | Essay, Zeitlos, Plädoyer, Material | Haus Bartleby

Großkupferte, Kleinmütige, Freunde und Mitstreiterinnen!

Aus dem Hause Bartleby


Mit unserer advokatorischen Lobby sind wir fast immer ziemlich optimistisch unterwegs, denn wir haben von fast allen Menschen letztlich eine hohe, hohe Meinung. (Auch wenn wir das aus Gründen der Distinktion manchmal nicht sagen.)

Die Arbeit unseres Think-Tanks bezieht sich also auf die Verbesserung des menschlichen Lebens in einer unmittelbaren Zukunft.

Warum?

- Weil wir es derzeit für nötig halten,
- weil es uns Spaß macht
- und weil es unseren Berufen oder Kompetenzgraden entspricht. Niemand hat uns beauftragt, geschweige denn dafür bezahlt. Es ist also derzeit ein Geschenk an die Allgemeinheit, die »Polis«, letztlich sogar die »Republik« im Sinne der »Öffentlichen Sache«.

In einer Zeit, in der die gewohnten kybernetischen Diskurssysteme der letzten 46 Jahre kein einziges Problem mehr lösen, sondern die immer gleichen Köpfe hemmungslos den immer gleichen systemimmanenten Bullshit verzapfen, die Wissenschaft zur Event-Arena einer knausrigen Ökonomie degeneriert wurde, und eine immer entgrenztere Militarisierung des Lebens alle Menschen angreifen will, ist es angebracht, sich einzumischen. Wir tun das nicht leichtfertig und lauthalsig. Und wenn doch, dann zumindest innerhalb einer systematischen und strategischen Vorgehensweise.

Wir sind der Ansicht, dass wir unsern Job nur tun können, wenn wir uns für diese entscheidende Phase aus »Funktionärskarrieren« entfernen und unsere Ressourcen eine Zeit lang der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Die Neoliberale Epoche war ein schleichender Zivilisationsbruch, eine Abkehr von westlichen Prinzipien der Moderne, der Aufklärung, des Ausgleichs durch Recht. Am Ende der Neoliberalen Epoche wird allmählich das ganze Bild sichtbar. Die ökologische, ökonomische und ethische Katastrophe. Vereinfacht gesagt: Diese Republik ist fertig.

Warum kümmern wir uns nun um das Thema Arbeit?

Angesichts der bevorstehenden Umbrüche muss einem Angst und Bange werden. Es steht zu befürchten, dass den bröckelnden Eliten wieder einmal nichts anderes einfallen wird, als die Armen, Ausgegrenzten und Enterbten noch heftiger zu knechten. Wir schämen uns zutiefst für den Kapitalismus und seine immer dreisteren Angriffe auf alle Menschen, ein System, das Groß und Klein strukturell in die Defensive treibt, um alle für sich - und nur für sich - arbeiten zu lassen. Oder womöglich in den Krieg zu schicken. Oder harmloser formuliert (für leicht entzündliche Persönchen): Die derzeitigen Regeln sind überholt - Investitionen, Möglichkeiten und Besitz werden künftig von Grund auf gleicher organisiert werden.

Wir haben nun vor Kurzem diese advokatorische Lobby gegen abhängige Arbeit & Ausbeutung und für ein emanzipatorisches Ende der Neoliberalen Epoche gebildet. Wir höhlen mit unseren begrenzten Mitteln den Arbeitsfetisch aus, und damit die tiefsitzendste Ideologie der Unfreiheit und Ungleichheit in diesem in jeder Hinsicht morastigen Landstrich.

Wer über Arbeit spricht, muss auch über das Eigentumsproblem sprechen. Das können wir den selbsternannten Privilegierten und deren Fäns leider nicht ersparen, auch wenn sie aus ihren eigenen Ängsten heraus immer ganz gnatzelig werden, wenn man das Eigentumsproblem überhaupt nur benennt. Denn sie haben sich daran gewöht, soviel zu haben, dass sie von »Bewerbern« nur so umschwirrt werden wollen: Junge, besitzlose Menschen auf dem Weg in ihr Leben, denen nicht viel übrig bleibt, als entweder den Eigentümern zu dienen - oder in den Ritzen der Infrastruktur zu verrecken.

Oder kurz gefragt: »Wenn die Arbeit so toll ist, warum gehen die Reichen dann nicht selber hin?« Wir gehen davon aus, dass der Planet allen Menschen gehört, alle ein Verfügungsrecht darüber haben und jeder Mensch mit seinem Körper sich selbst gehört. 225 Jahre nachdem der Homo Erectus die Menschenrechte proklamiert hat, sollte das wieder allgemeine Selbstverständlichkeit sein. Das ist es aber immer weniger.

Im Folgenden nun ein Link auf den exzellenten Text des Kollegen »Paul Duroy«, den er für die Internetseite des Wochenblättchens »Der Freitag« geschrieben hat. Er benennt, wie der totalitäre Arbeitszwang mit faschistischen Begriffen wie »Maßnahmen«, »Arbeitsscheue«, »Asoziale« und »Sozialschmarotzer« massenhaft ermordet hat. Das hasserfüllte Denken setzt sich bis heute fort, wenn auch etwas weniger mörderisch.

Dabei werden die Bäume auch von selber grün - es ist genug für alle da. Das war es übrigens immer, sofern gerade kein totalitärer Staat, kein Krieg oder keine Naturkatasrophe die Menschen dahinraffte. Künftig gilt: Wer Krieg will, soll selber hingehen, wer riesiges Eigentum liebt, wird es allein bestellen. »I would prefer not to.« Wir sind hier zusammen drin und nicht gegeneinander.

So, genug der ernsten Worte einer historischen Einordnung unserer Lobbyarbeit. Aber aus guten Gründen halten wir es für nötig, einmal ein paar Zeilen dazu zu liefern. Und diesen Verweis auf die Hintergründe in unseren Seiten zu fixieren.

Beim nächsten Mal melden wir uns wieder mit neuen vorausschauenden Erfindungen aus unserer elegant-egalitären Lobby!


Herzlichst achtungsvoll,
H.B.