Journal
Psychologie

Im Auge des Betrachters

Von Mira Assmann

zappelphilipp

Was sich in diesen Zeilen aus „Zappelphilipp“ von Heinrich Hoffmann reimt und flüssig liest, klingt in der Realität eher verstimmt und lässt bitter aufstoßen. Nehmen wir einmal an, Philipp würde – repräsentativ für ca. 5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland, die derzeit als „betroffen“ gelten - zu einem Kinderpsychotherapeuten geschickt werden. Die Mutter hat ihm einen Termin gemacht, schließlich ist sie inzwischen zu Tische sprachlos und auch der Vater ist dafür, denn sein Missfallen findet kein Gehör bei dem Jungen. Nehmen wir also an, Philipp sowie seine Eltern und Lehrer hätten im diagnostischen Prozess zu Beginn der Therapie entsprechende Selbst- und Fremdbeurteilungsbögen ausgefüllt. Der Psychotherapeut hätte diese nach bestem Wissen und Gewissen mithilfe der Auswertungsmanuale und Zahlen der so genannten Normstichprobe ausgewertet und würde nun das Ergebnis verkünden, Philipp habe ADHS. Weiterlesen ...