Sind doch alle Ordnungen des Menschen darauf eingerichtet, daß das Leben in einer fortgesetzten Zerstreuung der Gedanken nicht gespürt werde.
Friedrich Nietzsche

Lektüre

Um auf dumme, große oder einfach mal keine Gedanken zu kommen, sind Filmschnippsel im Netz immer wieder nützlich. Damit der Verlust nicht allzu arg wird, haben wir hier eine kleine wachsende Lektüre zusammengestellt.

Wahnwitz

Hier kommt alles rein, was der Schnappschuss hergibt, damit er mehr hergibt, als ein flüchtige "What the fuck?"
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Self-fullfilling-prophecy, Aachen
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Reperaturbetrieb, Hamburg
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Feierabend, Berlin
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Zauberkacke, Berlin-Neukölln
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Frauenquote, Berlin-Charlottenburg
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Dedans!
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Freudlos
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Johny knows.
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Der Ernst des Lebens, Bücherei Hannover
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1964, DDR, BZ am Abend
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Raten Sie mal, was sich hinter diesem Werbeartikel des Bestatter Witzke verbirgt? - Richtig. Ein Flaschenöffner
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Arbeiten, um zu arbeiten. Kreativwirtschaft in Kreuzberg
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Glück oder Geld? Ein Euphemismus-Beweis

Studien, Statistiken und andere Minenfelder

Bomben-Chancen
bei 40 Prozent der Unternehmen

40 Prozent der Unternehmen in Deutschland hätten derzeit Schwierigkeiten, offene Stellen mit entsprechend qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen, lief im Juni 2014 über den Nachrichten-Ticker. Die Zahlen lieferte eine Studie mit dem Titel "Fachkräftemangel 2014", erstellt hat sie der Personaldienstleister ManpowerGroup. Das Unternehmen gilt als Erfinder der Zeitarbeit. Die eigenen Interessen an so einer Studie liegen auf der Hand und es lässt sich nur spekulieren, ob der griffige Titel nicht bereits vor jeder empirischen Befragung feststand. Trotzdem schaffen es immer wieder solche Lobby-Studien ohne Probleme in die objektive Berichterstattung. Die Zahlen sollen alarmieren und dem Humankapital signalisieren sich für die Verwertung bereit zu machen. Fünf Prozent mehr Arbeitgeber in Deutschland hätten mit Problemen beim Recruiting neuer Fach- und Führungskräfte zu kämpfen. Auf auf! Hier gibt es Jobs! Nach einer ordentlichen Bewerbung bekommt man dann Post vom Personaldienstleister.

Die ARD-Reportage "Das Märchen vom Fachkräftemangel" (Juli, 2014) gibt einen treffenden Einblick in das Zahlengeschäft mit dem Mangel >>

Niedriglohnsektor goes
Vollbeschäftigung

Vollbeschäftigung ist in Deutschland möglich, verkündete das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im August 2014. Derzeit sei es zwar "kein unmittelbar erreichbares Ziel", langfristig könnte die Arbeitslosenquote aber auf einen Wert zwischen zwei und drei Prozent sinken. Das entspreche einer Arbeitslosenzahl von rund einer Million. Um die Voraussetzungen für Vollbeschäftigung zu schaffen, müsse es aber weitere Anstrengungen im Bildungssystem und in der Arbeitsmarktpolitik geben. Zudem müssten der Wettbewerb und die wirtschaftliche Dynamik gestärkt werden. Vollbeschäftigung ist laut IAB erreicht, wenn alle Menschen, die eine Arbeit aufnehmen wollen und können, auch Arbeit bekommen.

Vollbeschäftigung ist ein statistischer Fetisch und wird in seiner ständig propagierten Anstrebung zum Selbstzweck erhoben. Im Rausch der immer wieder neusten Arbeitslosenzahlen geht vollkommen unter, dass immer mehr Menschen "in Arbeit" gar nicht davon leben können. So veröffentliche das gleiche Institut erst ein Jahr zuvor, im Juni 2013, eine Studie zum Thema Niedriglohnsektor. Dabei kam heraus, dass jeder Vierte in Deutschland weniger als 9,54 Euro brutto pro Stunde verdient. Im europäischen Vergleich landet Deutschland damit auf Platz Zwei hinter Litauen.

Vor diesem Hintergrund von "Vollbeschäftigung" zu träumen, ist nicht nur zynisch, sondern soll mittels wissenschaftlich beauftragter Propaganda die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte als Erfolgsmodell umdeuten.

Einer von Viern
ist der Dumme

2013 lief eine Meldung über den Ticker: "Die Arbeitsmoral der jungen Generation sinkt, weil sie keine systematischen Zusammenhänge mehr erkennen kann!" Die Nachrichtenagentur berief sich auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Überprüft wurde die Arbeitsleistung der jungen Angestellten in mehreren europäischen Ländern. Das Ergebnis: Die jungen Leute zwischen 15 und 29 ließen es an Einsatzbereitschaft mangeln und seien zu wenig qualifiziert. Was im Jargon der Agentur als beklagenswerte Problemmeldung rausgehauen wird, sollte doch vielmehr Grund für Optimismus sein. »Keine systematischen Zusammenhänge mehr erkennen können«? Ist das nicht eine recht realistische Reaktion auf die Situation, in der wir uns befinden.

Die Quelle der Studie ist kein unabhängiges Institut, sondern die berüchtigte Konzernlobby McKinsey, eine von vielen Unternehmensberatungen, die Firmen und ganzen Konzernen bei der „Optimierung“ helfen. Das zentrale Geschäftsmodell dieser Truppe aus Anwälten, Lobbyisten, Werbern und Zahlenspezialisten besteht darin, in Betrieben für eine Zeit die Macht zu übernehmen, um die Gewinne zu steigern. Alles soll »optimiert« werden, vor allem die Arbeit.

Die Aufforderung zur Anpassung ist hier in eine angebliche »Studie« verkleidet, die 26 Prozent aller jungen Schulabgänger, Azubis, Studenten und Jobeinsteiger als problematisch einstuft. Das bedeutet, dass man eine Chance von vier zu eins hat, den Einstieg in die Arbeit zu schaffen. Es ist wie bei Deutschland sucht den Superstar: Drei kommen in den Recall, einer fliegt raus.

Zugleich wird mit der Zahl von 26 Prozent Druck auf alle anderen jungen Leute aufgebaut. Auch auf die drei, denen laut »Studie« gute Chancen aufs Weiterkommen attestiert werden, denn ihnen wird ebenso mit dem Versagen gedroht: Es gibt ja genügend andere. Die jungen Pfeifen zwischen 15 und 29 sind an ihrer Misere dann selbst schuld. Deswegen heißt es in der »Studie« auch weiter »Jugendarbeitslosigkeit ist auch ein Angebotsproblem!« Und das soll heißen: Weil die Betriebe keine guten Bewerber bekommen, bleiben die Stellen unbesetzt. Was wiederum heißt: »Weil ihr so schlecht seid, kackt die Wirtschaft ab!« Klingt paradox? Es ist paradox. Und das ist Absicht.