Von Haus Bartleby

Das ökonomische System, wie wir es kennen, hat keine
Zukunft. Das internationale Kapitalismustribunal konstituiert ein faires
Gerichtsverfahren, um aus dem Versagen des ökonomischen Systems zu lernen. Es findet
statt in Wien von 01. Mai bis 12. Mai 2016. Im Wiener Passagen Verlag erscheint
zeitgleich das Buch »Das Kapitalismustribunal – Zur Revolution der ökonomischen
Rechte«.
Eine marokkanische Erzählung aus dem Atlas-Gebirge besagt, dass
»einen Weg zu beschreiten, der die Leute in den Abgrund führt, ein Fehler« sei.
Diesen Weg ein zweites Mal zu gehen, werde zu einem unverzeihlichen Verbrechen.
»Führt Dein Weg aber ein drittes Mal in den Abgrund, wird es niemanden geben, der
noch von dem Weg und dem Abgrund berichten kann.«
Nun lässt sich mit
überlieferten Weisheiten schon immer der Teufel an die Wand malen. Fakt ist jedoch,
dass in ganz Europa volkstümliche und sogar rechtsradikale Bewegungen an die Macht
gewählt werden, da alte Annahmen versagen. Der Kitt einer funktionalen
Sozialdemokratie ist futsch. Nicht die »Ängste der Menschen« sind daran schuld,
sondern die Haltlosigkeit der bestehenden Eliten. Über Jahrzehnte wurde vorhandenes
Wissen übergangen, um bestehende Privilegien zu erhalten.
An die Spitze
setzte sich (auch) eine deutsche Nomenklatura des Neoliberalismus, die das deutsche
Modell auf Europa ausdehnen wollte, und dies gegenüber Griechenland und anderen
Ländern mit allen Mitteln und über alle demokratischen Grenzen hinweg durchprügelte.
Es stellt mittlerweile sich die begründete Vermutung ein, dass womöglich zum dritten
Mal ein Anlauf unternommen werden soll, das AntlitzEuropas einzig und allein dem
deutschen Wesen nach zu prägen. Diese Expansion findet statt den Mitteln von
Ökonomie, sowie einer gnadenlos autokratisch-kapitalistischen Bürokratie des
Rechtsstaats.
Menschen willkommen?
Doch ganz gleich, durch welche historische Brille
geblickt wird, es gibt in jedem Land Europas erhebliche Probleme mit dem
ökonomischen System und den jeweiligen Eliten. Der französische Ökonom Thomas
Piketty wies methodisch nach, was die jüngeren Generationen schon erleben: In den
vier Jahrzehnten der Neoliberalen Epoche wurden bereits erreichte zivilisatorische
Standards abgebaut, Akademien zu Ausbildungsbetrieben depriviert, Armut ausgedehnt
und dazu die Arbeit von einem notwendigen Mühsal zu einem raren
Selbstverwirklichungsprojekt umgedeutet. Die Burn-Out-Gesellschaft ist die logische
Folge.
Demgegenüber wurde die leistungslose Verfügung von Großeigentümern
und Erben über Betriebe, Land, Mietwohnungen, Medien und Menschen ausgebaut.
Folgerichtig werden neue Mitmenschen, die nach Europa kommen, als billige
Dienstleister und ArbeiterInnen betrachtet (»Integration in den
Wirtschaftskreislauf«), was zu schlimmen Abwehrreaktionen im Proletariat und der
Mittelschicht Europas führt, die sich in der zähen Abwärtsspirale des
Konkurrenzsystems in ihren Chancen auf Teilhabe bedroht wähnen. Aus einer
ökonomisch-analytischen Perspektive heraus nicht ganz zu Unrecht, aber eben mit den
völlig falschen Schlussfolgerungen unvollständiger und abhängig gemachter
reaktionärer (Klein-)Bürger.
Mit einem Facebook-Like gegen Rechts ist
nichts erreicht. Für die VerfasserInnen dieses Artikels steht so unabweisbar
grundsätzlich fest, dass Menschen willkommen sind, dass dies auch nicht zum Grund
gereicht, sich damit selbst abzufeiern – es ist schlichtweg eine
Selbstverständlichkeit, eine Voraussetzung. Es braucht grundlegende und
systematische Erwägungen über das Konkurrenzssystem, das Eigentumsproblem, das
Erleben der Ökonomie für den einzelnen Menschen in Europa und den Ländern des
Kontinentes. Zuallererst Deutschlands, das sich einerseits an die Spitze der
neoliberalen Agenda stellt – und andererseits einen Sonderweg geht, wenn es um die
Einverleibung prekarisierter Arbeitskraft geht. Das gilt es zu bedenken, wenn mensch
systematisch analysiert – sosehr zugleich immer auch das Selbstverständliche gilt:
Menschen willkommen! Und zwar immer, grundsätzlich und grenzenlos.
Nuit Débout, Diem 25, The Capitalism Tribunal: Die siebte Internationale!
»We were right, all along« testierte Graeme Maxton, Secretary General des
Clubs of Rome, Buchautor und Teilnehmer des Kapitalismustribunals zu Beginn des
Kapitalismustribunals im Dezember 2014. Die ökologische, ökonomische und soziale
Katastrophe findet bereits statt. Die WissenschaftlerInnen des Clubs of Rome legten
bereits 1972 mit »Die Grenzen des Wachstums« ein analytisches Werkzeug vor, das
mittlerweile als unbestreitbar bezeichnet werden kann. Die Prognosen über die
Auswirkungen über die Fortsetzung des ökonomischen Systems haben sich allesamt
bewahrheitet. 48 Jahre nach dem Mai ‘68 und 44 Jahre nach den »Grenzen des
Wachstums« haben wir allen Anlass, das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen –
und die Regeln der Ökonomie selber zu bestimmen.
Nun mutet diese
Forderung wie ein frommer Wunsch an, angesichts der Tatsache, dass die Legitimität
der politischen und ökonomischen Verhältnisse zwar in Frage gestellt ist durch
gewaltige Maßnahmen, der Machterhalt aber ohne Unterlass ausgebaut wird. Nach dem
Wegfall des Gegengewichts anderer Rechtssysteme der Ökonomie nach 1990 ist die
postmoderne Vorstellung von einem »Ende der Geschichte« total geworden. Horizontale
Bewegungen wie Occupy sind am eigenen Ansatz gescheitert, ohne jedwedes vertikale
Momentum auskommen zu wollen – und blieben damit im Spirituellen kleben. Doch der
Widerstand ist da. Was wird konkret werden?
In England und den USA ist
ein Linksruck der sozialdemokratischen Parteien zu beobachten. Der zurückgetretene
griechische Finanzminister Yanis Varoufakis arbeitet seit Ende 2015 aus seiner
Erfahrung heraus an einer keynesianischen Reform der europäischen Bürokratie und der
Banken für das Jahr 2025. Die »aufrichtigen Nächte« der Nuit-Débout-Bewegung seit
Ende März 2016 laufen bereits heute, Ende April 2016, wieder Gefahr, einerseits die
Fehler von Occupy zu wiederholen (Verharren in Spiritualität und Protest) und
andererseits sich von von etablierten Polit-Stars und deren durchfinanzierten
Reform-Agenden verzögern und schließlich vereinnahmen zu lassen.
Die Entwicklung des Kapitalismustribunals
Das Kapitalismustribunal
stellt nun erstmals ein Werkzeug vor, das geeignet sein könnte, zu einem neuen
Transmissionsriemen der Transformation ausgereift zu werden. Es arbeitet mit den
Mitteln der Kunstfreiheit, der Fairness und bewährten Mitteln liberaler
Rechtssysteme. Jeder Mensch ist auf capitalismtribunal.org kostenlos berechtigt, aus
dem eigenen Erleben der Ökonomie zu berichten, die eigene wissenschaftliche
Expertise zur Disposition zu stellen – oder Meinungen einzugeben.
In den
Mai-Prozessen des Kapitalismustribunals werden alle Anklagen vorkommen.
Anklagevertretung und Verteidigung bringen Argumente vor. Es wird systematisiert und
fair verhandelt. Das Ziel der hochkarätig und international besetzten Mai-Prozesse
ist, sich ein Bild von der derzeitigen ökonomischen Systematik zu machen. Es haben
über 300 einzelne Menschen Anklagen eingereicht. Die Urteile werden dann im November
2016 ebenfalls in Wien gefasst.
Die Entwicklung des Kapitalismustribunals
wurde Anfang 2015 zusammen mit dem Club of Rome ausgearbeitet. Am 1. Mai 2015 ging
die Seite des Kapitalismustribunals online [kapitalismustribunal.org], die jeden
lebenden Menschen zur kostenlosen Anklage gegen das ökonomische System ermächtigte.
Für sich betrachtet war das bereits eine technologische und juristische Novität, die
eine eigene konzeptionelle, juristsiche und programmiererische Leistung
darstellt.
Die drei Vorverhandlungen im Heimathafen Neukölln fächerten
das Feld auf und unternahmen eine Bestandsaufnahme der Wirklichkeit. Alle drei
Vorverhandlungen fanden mit mehr als 400 TeilnehrInnen im gefüllten und kostenlos
zugänglichen Saal statt. Im Berliner Haus der Kulturen der Welt wurde in der
Zwei-Tages-Konferenz am 1. und 2. Dezember 2015 die Prozessordnung entwickelt und
proklamiert.
Zum Beginn der Mai-Prozesse 2016 erscheint das
Non-Profit-Buch »Das Kapitalismustribunal« im Wiener Passagen Verlag. Es bildet die
wissenschaftliche, juristische, literarische und künstlerische Grundlage der Wiener
Prozesse zur Revolution der ökonomischen Rechte.
Wien wird im Mai für 12 Tage die linke Hauptstadt Europas
In Wien, der
Stadt in der Mitte Europas, findet nun die erste Gerichtswoche des
Kapitalismustribunals im Mai ‘16 statt . Der Gerichtshof tagt sieben Tage in Folge
von 12:00 Uhr CET bis 17:00 uhr PET im Zeitraum von 1. bis 12. Mai. Am Abend
verwandelt sich der Gerichtshof in die »Siebte Internationale« mit internationalen
Gesprächsgästen und der Versammlung. Dazu zählt auch Diem 25 im Wiener Werk X am 5.
Mai mit Yanis Varoufakis und Srecko Horvat.
Was wird davon bleiben? Der
im Kapitalismustribunal angelegte wissenschaftliche Grundgedanke legt einen
fundamentalen Blickwechsel auf die Entstehung menschlicher Ökonomie dar. Aus den
Verhandlungen des Kapitalismustribunals wird eine neue Grundrechtscharta der
ökonomischen Rechte des Menschen deriviert werden. Sie wird am 1. Mai 2017 im
Berliner Haus der Kulturen der Weltöffentlichkeit vorgestellt
werden.
***
Das Kapitalismustribunal geht auf eine
Entwicklung vom Haus Bartleby zurück. Die Mai-Prozesse finden statt im Gerichtshof
des Kapitalismustribunal am Karlsplatz 5, A – 1010 Wien, also dem Brut Wien Theater,
das vom 01. Mai bis 12. Mai 2016 in den Gerichtshof umgewidmet
wird.
TeilnehmerInnen sind u.a. Saskia Sassen, Robert Misik, Wolfgang
Neskovic, Lili Fuhr, Alon Harel, Fetsun Berhane, Louis Klein, Graeme Maxton u.v.a.m.
Das Programm auf der Seite des Brut Wien. Es wird während der gesamten Gerichtswoche
und der Siebten Internationale eine Simultanübersetzung Deutsch-Englisch und
Englisch-Deutsch angeboten.
Das Kapitalismustribunal findet sich auf den
Seiten capitalismtribunal.org, hausbartleby.org, Flux FM Berlin 100,6, FM 4 und für
Infos im Facebook. Videos vom Kapitalismustribnal sind hier im Kanal. Das
Mai-Tribunal wird live gestreamt auf capitalismtribunal.org in englischer und
deutscher Sprache. Über neu entwickelter eine Avatar-Funktion sind Online-Eingriffe
in die Verhandlung auf Seiten der Anklage und der Verteidigung möglich. Der Eintritt
in den Gerichtshof ist kostenlos, ein Beitrag soll dennoch entrichtet werden. Die
Teilnahme an den Abendveranstaltungen erfordert ein Eintrittsgeld, kann aber durch
Nachweis oder Erklärung bis auf Null reduziert werden.
Das
Kapitalismustribunal kooperiert inhaltlich mit dem Club of Rome, FluxFM 100,6
Berlin, dem Brut Wien und dem Passagen Verlag, Wien. Es wird finanziell unterstützt
von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie der
Friedrich-Ebert-Stiftung. Es wird unabhängig organisiert und durchgeführt vom Haus
Bartleby e.V. Berlin und den beteiligten SchriftstellerInnen, WissenschaftlerInnen
und TeilnehmerInnen.