Aus dem Hause Bartleby
Mit unserer advokatorischen Lobby sind
wir fast immer ziemlich optimistisch unterwegs, denn wir haben von fast allen
Menschen letztlich eine hohe, hohe Meinung. (Auch wenn wir das aus Gründen der
Distinktion manchmal nicht sagen.)
Die Arbeit unseres Think-Tanks bezieht
sich also auf die Verbesserung des menschlichen Lebens in einer unmittelbaren
Zukunft.
Warum?
- Weil wir es derzeit für nötig halten,
-
weil es uns Spaß macht
- und weil es unseren Berufen oder Kompetenzgraden
entspricht. Niemand hat uns beauftragt, geschweige denn dafür bezahlt. Es ist also
derzeit ein Geschenk an die Allgemeinheit, die »Polis«, letztlich sogar die
»Republik« im Sinne der »Öffentlichen Sache«.
In einer Zeit, in der die
gewohnten kybernetischen Diskurssysteme der letzten 46 Jahre kein einziges Problem
mehr lösen, sondern die immer gleichen Köpfe hemmungslos den immer gleichen
systemimmanenten Bullshit verzapfen, die Wissenschaft zur Event-Arena einer
knausrigen Ökonomie degeneriert wurde, und eine immer entgrenztere Militarisierung
des Lebens alle Menschen angreifen will, ist es angebracht, sich einzumischen. Wir
tun das nicht leichtfertig und lauthalsig. Und wenn doch, dann zumindest innerhalb
einer systematischen und strategischen Vorgehensweise.
Wir sind der
Ansicht, dass wir unsern Job nur tun können, wenn wir uns für diese entscheidende
Phase aus »Funktionärskarrieren« entfernen und unsere Ressourcen eine Zeit lang der
Allgemeinheit zur Verfügung stellen.
Die Neoliberale Epoche war ein
schleichender Zivilisationsbruch, eine Abkehr von westlichen Prinzipien der Moderne,
der Aufklärung, des Ausgleichs durch Recht. Am Ende der Neoliberalen Epoche wird
allmählich das ganze Bild sichtbar. Die ökologische, ökonomische und ethische
Katastrophe. Vereinfacht gesagt: Diese Republik ist fertig.
Warum kümmern
wir uns nun um das Thema Arbeit?
Angesichts der bevorstehenden Umbrüche
muss einem Angst und Bange werden. Es steht zu befürchten, dass den bröckelnden
Eliten wieder einmal nichts anderes einfallen wird, als die Armen, Ausgegrenzten und
Enterbten noch heftiger zu knechten. Wir schämen uns zutiefst für den Kapitalismus
und seine immer dreisteren Angriffe auf alle Menschen, ein System, das Groß und
Klein strukturell in die Defensive treibt, um alle für sich - und nur für sich -
arbeiten zu lassen. Oder womöglich in den Krieg zu schicken. Oder harmloser
formuliert (für leicht entzündliche Persönchen): Die derzeitigen Regeln sind
überholt - Investitionen, Möglichkeiten und Besitz werden künftig von Grund auf
gleicher organisiert werden.
Wir haben nun vor Kurzem diese
advokatorische Lobby gegen abhängige Arbeit & Ausbeutung und für ein
emanzipatorisches Ende der Neoliberalen Epoche gebildet. Wir höhlen mit unseren
begrenzten Mitteln den Arbeitsfetisch aus, und damit die tiefsitzendste Ideologie
der Unfreiheit und Ungleichheit in diesem in jeder Hinsicht morastigen
Landstrich.
Wer über Arbeit spricht, muss auch über das Eigentumsproblem
sprechen. Das können wir den selbsternannten Privilegierten und deren Fäns leider
nicht ersparen, auch wenn sie aus ihren eigenen Ängsten heraus immer ganz gnatzelig
werden, wenn man das Eigentumsproblem überhaupt nur benennt. Denn sie haben sich
daran gewöht, soviel zu haben, dass sie von »Bewerbern« nur so umschwirrt werden
wollen: Junge, besitzlose Menschen auf dem Weg in ihr Leben, denen nicht viel übrig
bleibt, als entweder den Eigentümern zu dienen - oder in den Ritzen der
Infrastruktur zu verrecken.
Oder kurz gefragt: »Wenn die Arbeit so toll
ist, warum gehen die Reichen dann nicht selber hin?« Wir gehen davon aus, dass der
Planet allen Menschen gehört, alle ein Verfügungsrecht darüber haben und jeder
Mensch mit seinem Körper sich selbst gehört. 225 Jahre nachdem der Homo Erectus die
Menschenrechte proklamiert hat, sollte das wieder allgemeine Selbstverständlichkeit
sein. Das ist es aber immer weniger.
Im Folgenden nun ein Link auf den
exzellenten Text des Kollegen »Paul Duroy«, den er für die Internetseite des
Wochenblättchens »Der Freitag« geschrieben hat. Er benennt, wie der totalitäre
Arbeitszwang mit faschistischen Begriffen wie »Maßnahmen«, »Arbeitsscheue«,
»Asoziale« und »Sozialschmarotzer« massenhaft ermordet hat. Das hasserfüllte Denken
setzt sich bis heute fort, wenn auch etwas weniger mörderisch.
Dabei
werden die Bäume auch von selber grün - es ist genug für alle da. Das war es
übrigens immer, sofern gerade kein totalitärer Staat, kein Krieg oder keine
Naturkatasrophe die Menschen dahinraffte. Künftig gilt: Wer Krieg will, soll selber
hingehen, wer riesiges Eigentum liebt, wird es allein bestellen. »I would prefer not
to.« Wir sind hier zusammen drin und nicht gegeneinander.
So, genug der
ernsten Worte einer historischen Einordnung unserer Lobbyarbeit. Aber aus guten
Gründen halten wir es für nötig, einmal ein paar Zeilen dazu zu liefern. Und diesen
Verweis auf die Hintergründe in unseren Seiten zu fixieren.
Beim nächsten
Mal melden wir uns wieder mit neuen vorausschauenden Erfindungen aus unserer
elegant-egalitären Lobby!
Herzlichst achtungsvoll,
H.B.
Tags: Haus
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