2013 lief
eine Meldung über den Ticker: "Die Arbeitsmoral der jungen
Generation sinkt, weil sie keine systematischen Zusammenhänge mehr
erkennen kann!" Die Nachrichtenagentur berief sich auf eine Studie
der Unternehmensberatung McKinsey. Überprüft wurde die
Arbeitsleistung der jungen Angestellten in mehreren europäischen
Ländern. Das Ergebnis: Die jungen Leute zwischen 15 und 29 ließen es
an Einsatzbereitschaft mangeln und seien zu wenig qualifiziert. Was
im Jargon der Agentur als beklagenswerte Problemmeldung rausgehauen
wird, sollte doch vielmehr Grund für Optimismus sein. »Keine
systematischen Zusammenhänge mehr erkennen können«? Ist das nicht
eine recht realistische Reaktion auf die Situation, in der wir uns
befinden.
Die Quelle der Studie ist kein unabhängiges
Institut, sondern die berüchtigte Konzernlobby McKinsey, eine von
vielen Unternehmensberatungen, die Firmen und ganzen Konzernen bei
der „Optimierung“ helfen. Das zentrale Geschäftsmodell dieser Truppe
aus Anwälten, Lobbyisten, Werbern und Zahlenspezialisten besteht
darin, in Betrieben für eine Zeit die Macht zu übernehmen, um die
Gewinne zu steigern. Alles soll »optimiert« werden, vor allem die
Arbeit.
Die Aufforderung zur Anpassung ist hier in eine
angebliche »Studie« verkleidet, die 26 Prozent aller jungen
Schulabgänger, Azubis, Studenten und Jobeinsteiger als problematisch
einstuft. Das bedeutet, dass man eine Chance von vier zu eins hat,
den Einstieg in die Arbeit zu schaffen. Es ist wie bei Deutschland
sucht den Superstar: Drei kommen in den Recall, einer fliegt
raus.
Zugleich wird mit der Zahl von 26 Prozent Druck auf
alle anderen jungen Leute aufgebaut. Auch auf die drei, denen laut
»Studie« gute Chancen aufs Weiterkommen attestiert werden, denn
ihnen wird ebenso mit dem Versagen gedroht: Es gibt ja genügend
andere. Die jungen Pfeifen zwischen 15 und 29 sind an ihrer Misere
dann selbst schuld. Deswegen heißt es in der »Studie« auch weiter
»Jugendarbeitslosigkeit ist auch ein Angebotsproblem!« Und das soll
heißen: Weil die Betriebe keine guten Bewerber bekommen, bleiben die
Stellen unbesetzt. Was wiederum heißt: »Weil ihr so schlecht seid,
kackt die Wirtschaft ab!« Klingt paradox? Es ist paradox. Und das
ist Absicht.